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Sensitivity Reading – wer braucht das?

Die Rufe nach diverser Literatur werden lauter. Weil Diversität in den Medien keine Modeerscheinung sein sollte und Autor*innen bei der Repräsentation einiges falsch machen können, gibt es das Sensitivity Reading.


Warum ist Sensitivity Reading wichtig?

Wenn einem die eigenen Erfahrungen in Bereichen fehlen, dann kann ein Sensitivity Reading dabei helfen, keine falschen Stereotype in den Text einzubauen. Menschen haben durch ihre Erziehung und Medien ein gewisses Bild im Kopf wenn sie an z.B. Behinderung, Depression oder marginalisierte Gruppen denken. Meist bestehen diese Bilder aus Mikroaggressionen, die betroffenen Menschen schaden, wenn sie weiterhin reproduziert werden. Um Betroffene mit dem eigenen Text nicht zu retraumatisieren, oder keine „nicht authentische Lebensrealitäten“ zu schaffen, sollte man ein Sensitivity Reading in Anspruch nehmen.

Am besten ist es dabei, ein Own-Voice Reading machen zu lassen. Das bedeutet, dass Du eine Person, die selbst aus der Lebensrealität kommt, die Du beschreibst, über Dein Manuskript lesen lässt. Das heißt, dass Du keine ablebodied Cis Person über einen Queeren Roman, der Behinderung thematisiert, lesen lässt. Oder eine weiße Person über einen Text, der sich mit Schwarzen Lebensrealitäten auseinandersetzt.

Ich betone noch einmal mit Nachdruck: Ein Sensitivity Reading ist keine Zensur. Es wird nicht verboten über Dinge zu schreiben. Es soll nur dabei helfen, authentisch über andere Lebensrealitäten schreiben zu können, die man nicht kennt.

Was muss ich mir unter Sensitivity Reading vorstellen?

Ein Sensitivity Reading ähnelt einem Lektorat. Dabei werden schädliche und verletzende Stereotype im Manuskript herausgearbeitet und verbessert. Der *Die Sensitivity Reader*in steht für Fragen offen und bietet alternative Darstellungsweisen, um das Manuskript inklusiver zu gestalten. Es ist natürlich sinnvoll, sich vor dem Schreiben schon in die Thematik und typische Tropes einzuarbeiten. Tropes sind z.B. gängige Bilder oder Beschreibungen, die in Geschichten vorkommen. Das hilft Dir beim Schreiben typische Mikroaggressionen frühzeitig zu erkennen. Mikroaggressionen sind Äußerungen oder Verhalten, die übergriffig sind. Also z.B. Äußerungen, die andere Personen auf Grund Ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe herabsetzen.

Es ist wichtig, ein Sensitivity Reading nicht mit Zensur oder einem Verbot zu verwechseln. Es geht hauptsächlich darum, ein authentisches Manuskript zu schaffen, in dem sich möglichst alle Menschen wiederfinden können. Das beginnt bei einzelnen Begriffen, geht weiter zu Darstellungen und hört bei Charaktereigenschaften und Plotentwicklung auf.

Es gibt, wie beim Lektorat auch, verschiedene Möglichkeiten ein Sensitivity Reading durchführen zu lassen. Wenn Du noch nicht mit Deinem Manuskript angefangen hast, dann kannst Du dich zu Beginn von einer*m Sensitivity Reader*in beraten lassen. Bei der Beratung geht man gängige Tropes durch, die in Deinem Manuskript auftauchen könnten. Dabei wird die Beratung an Dein Manuskript angepasst.

Wenn Du Dein Manuskript bereits fertig hast, dann kannst Du den gesamten Text korrigieren lassen. Alternativ kannst Du auch vereinzelte Kapitel einreichen, bei denen Du Dir nicht sicher bist. Die Möglichkeiten sind so individuell wie Dein Text!

Wo finde ich eine*n Sensitivity Reader*in?

Die Plattform Sensitivity Reading bietet eine gute Anlaufstelle, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dort sind Sensitivity Reader*innen nach Expertise in einzelne Bereiche unterteilt. Wenn man eine*n Reader*in gefunden hat, dann kann man die Person direkt kontaktieren und für das eigene Manuskript anfragen.

Shanice Moore
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