Barry und Dana Stiller an der Schreibmaschine

Autoren des Monats: Barry & Dana Stiller

Im Oktober gibt es eine Premiere bei uns: Zum ersten Mal haben wir ein Autorenduo als Autoren des Monats. Barry und Dana Stiller legen bei ihren Büchern viel Wert auf Recherche und Plotting. Warum und wie genau das aussieht, haben sie uns im Interview verraten.


Ihr habt gerade eure Bücher für die Veröffentlichung bei tolino media neu aufgelegt. Worauf habt ihr beim Marketing für die neu gestalteten Titel geachtet und welche Tipps habt ihr dazu?

Wir wollten für unsere PETER CONRAD-Krimis einen anderen Look als bisher, obwohl wir die ursprünglichen Cover für DIE ERSTEN und BLUT mochten. Im Nachhinein hatten wir aber das Gefühl, dass die Optik bei einigen Lesern falsche Erwartungen geweckt hat, weil wir vom Mainstream-Stil der meisten aktuellen Krimi-Cover deutlich abgewichen sind und einen graphischen, fast cartoonartigen Ansatz gewählt haben. Dass wir an den Titeln der Bücher und den Klappentexten wenig ändern würden, stand für uns schnell fest: Wir wollten nicht den Eindruck erwecken, dass es neue Romane sind, und keinesfalls Leser verwirren oder verärgern, wenn sie dann ein Buch möglicherweise noch einmal gekauft hätten. Zum Glück gab es keine Schwierigkeiten, da die Rechte für die beiden ersten Teile vollständig bei uns lagen.

Bei der Neugestaltung war uns wichtig, die Typographie stärker mit einzubeziehen. Beispielsweise läuft der Buchtitel über die gesamte Coverbreite und ist auf beiden Seiten im Anschnitt. Auch sollte nur der Titel eine Textur erhalten, während Autorennamen und Reihentitel immer weiß sind. Insgesamt stand die Klarheit im Vordergrund. So gehört die untere Hälfte komplett den Buchstaben, die obere der Illustration. Die Idee eines zentralen Motivs wollten wir beibehalten, aber aufs Fotorealistische wechseln.

Beim Marketing wurden und werden wir vom tolino-Team großartig unterstützt! Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir die tolino-Leser auf die bereits erschienenen Fälle aufmerksam machen können und haben DIE ERSTEN und BLUT zwei Wochen vor dem Erscheinen des neuen Falls MASCHINE zu einem attraktiven Einführungspreis in den Shops der tolino-Allianz angeboten. MASCHINE haben wir zunächst exklusiv auf tolino veröffentlicht, zudem lief das Buch zwei Wochen lang in einer Preisaktion. Beides hat toll funktioniert und uns viele neue Leser beschert.

Für die Zukunft hat tolino mit uns weitere Werbemaßnahmen mit großer Reichweite geplant. Durch diese Aktionen (und bald vielleicht auch durch einen ersten PETER CONRAD-Sammelband) werden wir sicherlich wieder viele neue Leser auf kriminalistische Abenteuer in die späten 1980er schicken!

Wie immer waren für uns als Indie-Autoren außerdem die Sozialen Medien ein wichtiges Mittel, um für die Neuausgaben und Peter Conrads neuen Fall zu werben. Wir sind auf Facebook und Instagram aktiv und versuchen, auch Twitter regelmäßig zu bedienen, was uns allerdings weniger liegt. Das ist aber wahrscheinlich kaum verwunderlich für Autoren, bei denen die Krimis leicht 400 Seiten füllen, obwohl sie eng geplottet und dicht erzählt sind…

 

Bei euren Büchern stehen Recherche und Forschung an erster Stelle, ihr habt sogar eine eigene Quellensammlung aufgebaut. Wie wichtig ist diese (Vor-)Arbeit für euch und warum?

Auch wenn wir ausdrücklich keine Sachbücher oder Dokumentationen schreiben, ist es uns besonders bei Verschwörungsthrillern, wie INFORMIUM und besonders GREEN MAMBA wichtig, alles so authentisch wie möglich zu halten. Das gilt ebenso für die PETER CONRAD-Krimis mit ihrem etwas anderen Fokus. Alle Romane spielen in unserer Welt, und sie sind immer so angelegt, dass sich die Geschichte theoretisch genau so hätten zutragen können. Vielleicht ist einiges wirklich passiert… Wer weiß? Wir spielen mit der Möglichkeit, dass die eine oder andere Verschwörung, Entdeckung oder Erfindung einfach nur nie an das Licht der Öffentlichkeit gekommen ist.
Daher passen wir unsere Stories in die historischen Gegebenheiten so genau wie möglich ein, um für den Leser ein Maximum an Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Obwohl klar ist, dass vieles nicht so stattgefunden hat, wie im Roman erzählt, bleibt offen: Wo genau verläuft die Grenze zwischen Fakt und Fiktion? Das ist die Frage, die uns am allerhäufigsten gestellt wird. Und wir freuen uns jedes Mal darüber.

Bei INFORMIUM und noch deutlicher bei GREEN MAMBA, die in der DDR spielen, waren politische, militärische, geheimdienstliche und ganz alltägliche Umstände wichtig für eine überzeugende Erzählung. Nicht an alle Informationen gelangt man durch ein paar Mausklicks. Gerade wenn es um Detailfragen aus der „Vor-Internet-Zeit“ geht, sind zeitgenössische Fachbücher oder Veröffentlichungen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR die einzig authentischen Quellen. Und so haben wir im Lauf der Jahre eine Menge Material zur deutschen Nachkriegsgeschichte zusammengetragen.

Bei der PETER CONRAD-Reihe sind vor allem die archäologischen und kulturellen Hintergründe von Interesse und wir verwenden sie, soweit literarisch sinnvoll, realistisch im Plot und im Setting. Was die Archäologie betrifft, können wir aus erster Hand berichten, was auf Ausgrabungen oder in Universitäten passiert. Besonders Barry hat intensive Erinnerungen an die 1980er und die DDR. Obwohl in Köln aufgewachsen, hat er die DDR vielfach bereist und enge Kontakte geknüpft.

Nach der Recherche beginnt das eigentliche Plotten der Geschichte. Wir planen alle Romane vollständig durch, was länger dauern kann als das Schreiben selbst. Wie Drehbuchautoren bauen wir unsere Geschichten systematisch über Schauplätzen auf, an denen sich Szenen abspielen. Das Zusammenspiel aus genau recherchierten Kleinigkeiten mit einem glaubwürdig konstruierten zeitgeschichtlichen Gesamtbild vermitteln dem Leser das Gefühl, eine reale Szene zu erleben. Aus zahlreichen Rückmeldungen wissen wir, dass viele Leser diese Art der Erzählung lieben.

Bei aller Recherchearbeit: Wir schreiben keine „Piece of Life“-Erzählungen und auch keine „Achtzigerjahre-Bücher“, sondern Kriminalromane und Verschwörungsthriller, die – aus guten Gründen – nicht in der Gegenwart, sondern in den 1970ern und 1980ern spielen. Zum einen kennen wir diese Zeit aus eigener Anschauung. Zum anderen erlauben es die begrenzten technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit, Geschichten anders zu erzählen.
Viele im heutigen Internet-Zeitalter spielende Krimis erscheinen uns extrem unglaubwürdig und unstimmig. Jeder kann heute fast alles recherchieren – vom Schreibtisch aus! Jeder kann überall kommunizieren, Fotos verschicken, und wer in die Wüste fährt, kauft sich für kleines Geld ein Satelliten-Telefon. Es gibt billige Nachtsichtgeräte, Drohnen, Hand-Navis etc. Die Polizei und andere staatliche Einrichtungen haben noch weitergehende Möglichkeiten (Zugriff auf Satelliten, Telefonortung/Anrufprotokolle, Gen-Datenbanken, Fingerabdrücke, Email etc.).

Dennoch gibt es heute spielende Krimis, in denen die Story überhaupt nur zu Stande kommt, weil die Polizei nicht in der Lage ist, herauszufinden, wo der Verdächtige gearbeitet hat, wie der Mädchenname seiner Mutter lautet oder mit wem er verwandt ist…

 

Ihr arbeitet beim Schreiben mit einem detaillierten Storyboard. Wie genau können wir uns das vorstellen?

Ja, das stimmt. Wir sind keine „Drauflosschreiber“, weil wir das auch als Missachtung unserer Leser empfinden würden, die Geld (und Lesezeit) in unsere Romane investieren.
Wir beginnen mit einem Brainstorming, in dem wir die Grundidee, die Umsetzbarkeit und das Spannungspotenzial diskutieren. Erst, wenn wir uns sicher sind, den Kern einer guten Geschichte zu haben, geht es weiter in die Planung.
In der nächsten Phase konkretisieren wir die Romanidee, den groben Verlauf und vor allen Dingen die Lösung des Falles. Dann entwickeln wir Szenen, bestimmen ihre Handlungsorte, die anwesenden Figuren und treffen Entscheidungen zur Erzählperspektive.

Das so gewachsene Skelett des Romans halten wir in einem Storyboard fest: Auf meterlangen Tapetenbahnen arrangieren wir die Szenen in verschiedenen Handlungssträngen und arbeiten die dramaturgische Abfolge und Szenenwechsel zu einer schlüssigen Chronologie aus. Anders als bei Film-Storyboards halten wir aber nicht jede Szene im Bild fest. (Für DIE ERSTEN sind allerdings so viele Skizzen und Zeichnungen entstanden, dass wir mit dem Gedanken spielen, einmal eine illustrierte Ausgabe zu veröffentlichen.)

Natürlich gibt es längst digitale Tools für die Erstellung von Storyboards. Wir arbeiten gern digital und haben die meiste Software ausprobiert. Aber unserer Erfahrung nach eignet sich der begrenzte Platz eines Monitors nicht für den Prozess des Plottens. Und dabei arbeiten wir mit 4K-Bildschirmen…

Auf Papier lassen sich Ideen schnell festhalten, an jede beliebige Stelle der Chronologie legen, intuitiv umsortieren, Szenen zu Gruppen sortieren oder mit der Schere voneinander lösen, Verweise mit Fäden oder Linien markieren, zusätzliche Informationen oder Anmerkungen mit Haftnotizen anbringen. Ohne Strom, ohne technische Einschränkungen und vollkommen flexibel. Und so machen wir den ersten Schritt in einen neuen Roman immer analog.

Da wir zu zweit schreiben, ist eine solch detaillierte Planung unabdingbar. Ohne genaue Abstimmung würden wir viel Zeit und Ressourcen verschwenden, eine effektive gemeinsame Arbeit wäre unmöglich. Wir nutzen eine ganze Reihe verschiedener Schreibsoftware (je nach Eignung und Laune), arbeiten unsere fertige Planung ein und beginnen dann mit der eigentlichen Schreibarbeit. Auf der Frankfurter Buchmesse 2019 stellen wir am tolino-Stand eine Auswahl dieser Programme im Detail vor, zeigen Vorzüge und Nachteile auf und berichten von unseren praktischen Erfahrungen in der täglichen Arbeit.

 

Ihr seid auf so ziemlich allen Social-Media-Kanälen unterwegs und sehr aktiv. Wie organisiert ihr euch hier?

Mit viel Mühe und wechselndem Eifer. Wir wollen in erster Linie schreiben, unsere Geschichten ausarbeiten, neue Ideen entwickeln und mit Lesern in Leserunden interagieren – die Selbstdarstellung, wie sie auf den meisten dieser Kanäle im Vordergrund steht, liegt uns weniger. Wir glauben nicht, dass wir bessere Bücher schreiben, wenn wir Bilder unserer Katzen online stellen.
Als 2016 unser Debut INFORMIUM erschien und auf Anhieb sehr erfolgreich war, hatten wir nicht einmal eine Facebookseite, geschweige denn einen Account bei Instagram und Twitter oder eine eigene Homepage. Doch ist uns klar, dass wir schlicht Glück und einen Verlag mit großem Enthusiasmus hatten.

Heute ist Social Media für Indie-Autoren oft die einzige Möglichkeit, eine Bindung mit Lesern und Fans aufzubauen und zu pflegen. Das ist uns bewusst. Aber es ist nicht leicht, die sozialen Medien ständig mit interessanten, buch- und schreibbezogenen Inhalten zu versorgen. Und ja, wir verweigern uns dem Posten von exhibitionistisch motivierten Privateinblicken oder völligen Nonsensbeiträgen… Aber wir freuen uns ehrlich über alle, die uns aus Interesse an unseren Büchern und unserer Schriftstellerei dort folgen!

Dennoch sind wir sehr froh über Alternativen zu den herkömmlichen, schnelllebigen Social Media Kanälen. Insbesondere die Leserunden bei Lovelybooks sind eine fantastische Gelegenheit, mit den Lesern über die eigenen Bücher zu diskutieren. Vor diesem Hintergrund sind wir tolino media sehr dankbar für die großartigen Möglichkeiten, die sie uns bietet, und die tolle Unterstützung.

 

Warum habt ihr euch für tolino media entschieden?

Wir waren auf der Suche nach einem zuverlässigen, engagierten und begeisterungsfähigen Partner, der genau so viel Freude daran hat, Leser mit unseren Romanen bekannt zu machen, wie wir beim Schreiben haben. Wir hatten zwar mit unseren erfolgreich veröffentlichten Romanen, ein paar fast fertigen Manuskripten und weiteren Romanideen einiges für künftige Partner zu bieten, trotzdem waren wir nicht sicher, ob wir einen „Traumpartner“ finden würden.
Aber als wir das tolino-media-Team auf der Leipziger Buchmesse 2019 kennenlernten, wussten wir sofort, dass es passt – nicht nur geschäftlich, sondern auch menschlich. Und das spielt für uns eine wichtige Rolle, weil wir eben nicht alles leisten können und professionelle Mitstreiter brauchen, bei denen wir uns gut aufgehoben fühlen. Mit dem tolino-media-Team lagen wir vom ersten Moment an auf einer Wellenlänge, und in den vergangenen Monaten hat sich dieser Eindruck bestätigt. Die Zusammenarbeit macht Spaß, funktioniert hervorragend, und so werden wir sicherlich noch viele Buchprojekte gemeinsam auf die Beine stellen können.

Leidvoller Erfahrungen geschuldet, wollen wir unbedingt noch erwähnen, dass die vertraglichen Rahmenbedingungen bei tolino media rundherum fair sind und der technische Service hervorragend ist. Ebenso gehen die Gestaltungsmöglichkeiten, was Vertriebswege und Marketingoptionen angeht weit über das branchenübliche hinaus.

Für alle Fragen gibt es kompetente Ansprechpartner, Anfragen werden zügig bearbeitet und Probleme ganz unkompliziert gelöst. Knebelbedingungen mit Exklusivitätsrechten (wir wissen, was das bedeutet…) finden sich bei tolino media nicht – eine erfreuliche Ausnahme.
Die neu gestaltete Publikations-Plattform von tolino media empfinden wir – auch im Vergleich zu anderen Anbietern – als ausgesprochen clean und gut strukturiert. Auch keine Selbstverständlichkeit: Die Statistikfunktionen (Filter, Ansichten, Auswertungen etc.) sind hervorragend umgesetzt und funktionieren.

 


Mehr Informationen rund um das Autorenduo findet ihr auf ihrer Homepage. Außerdem könnt ihr Barry und Dana am Freitag, den 18.10., auf der Frankfurter Buchmesse bei uns am Stand in Halle 3.0 H 2 treffen. Kommt vorbei! 🙂

Martina Raschke

Martina Raschke, eigentlich Archäologin und Medienwissenschaftlerin, widmet sich seit ihrem Studienabschluss der Herstellung von Büchern. Nach Jahren in der Landesdenkmalpflege und einem IT-Fachverlag ist sie nun Author Relations Managerin bei tolino media.
Martina Raschke

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