Relaunches – mehr als alter Wein in neuen Schläuchen

Den Backlist-Titeln mit einem Relaunch neues Leben einzuhauchen kann eine gute Idee sein. Wir haben Jeanine Krock gefragt, wie man dabei vorgehen sollte und was es zu beachten gibt

 

Deine „Licht & Schatten“-Reihe wurde zuerst im Verlag veröffentlicht, nun hast du die Reihe im Selfpublishing neu herausgebracht. Wie kam es dazu?

Mit der „Licht & Schatten“-Reihe habe ich wirklich großes Glück gehabt, weil sie von Anfang an gut lief und obendrein vom Kleinverlag in Lizenz an Lyx/Lübbe verkauft wurde. Als die Rechte schließlich an mich zurückfielen, hielt ich das für eine gute Gelegenheit, mich ganz entspannt und ohne Erfolgsdruck im Selfpublishing auszuprobieren. Bis dahin hatte ich ausschließlich als Jeanine, unter geschlossenem Pseudonym (und neuerdings auch als Kiri Johansson) für Verlage geschrieben.

Schnell habe ich erkannt, dass natürlich auch im SP sehr viel mehr dahinter steckt, als einfach „nur“ eine gute Geschichte. Aber ich habe wunderbare LeserInnen. Einige von ihnen besitzen jede Ausgabe der Reihe und haben sich nun auch die eBooks gekauft, um sie im Reader immer bei sich zu tragen. Natürlich kamen auch neue Leserinnen und Leser hinzu, was mich riesig freut, denn obwohl ich nach all den Jahren bestimmt einiges heute anders schreiben würde, liebe ich meine Feen und Vampire immer noch wie am ersten Tag. Wen wundert’s? Sie sind eben (nahezu) unsterblich.

 

Während die meisten Bücher bereits nach wenigen Monaten als Backlist-Titel verkümmern, hast du deinen bereits einige Jahre alten Titeln ein neues Leben verpasst. Was waren deine Überlegungen zum Zeitplan des Relaunches?

Ich habe mir angeschaut, wie die erfolgreichen KollegInnen vorgehen, die im gleichen Genre unterwegs sind. Meine ersten Schritte wurden zudem von in Sachen Selfpublishing versierten Autorenfreundinnen begleitet. Es hilft auf jeden Fall, gut vernetzt zu sein. Überhaupt ist Networking ein wichtiges Stichwort: Seit ich schreibe, bin ich auch in Netzwerken organisiert. Früher bei den Webgrrls, beim VS (Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller) und ebenfalls schon sehr lange bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger LiebesromanautorInnen, um nur die wichtigsten zu nennen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn ich bin eine dieser aussterbenden Autorinnen, die sich tatsächlich am Schreibtisch wohler fühlen, als bei Messen, Conventions oder anderen Events. Ich treffe durchaus gern Menschen, Fans und LeserInnen, aber ich stehe extrem ungern im Mittelpunkt.

Trotz aller Vorbereitungen habe ich natürlich Fehler gemacht. Ich hätte mir sicher mehr Zeit für das Marketing nehmen, mehr mit BloggerInnen interagieren und zwischen den Veröffentlichungen viel aktiver in Social Media sein sollen. Wenn ich nicht über meine Bücher rede, warum sollten es dann andere tun? Daran arbeite ich noch …

Worauf hast du beim Marketing für die neu gestalteten Titel geachtet und welche Tipps hast du dazu?

Neben einer soliden Wissensbasis finde ich es besonders wichtig zu überlegen, wer meine Leserinnen und Leser sind. Wo finde ich sie? Welche Cover gefallen ihnen? Wie möchten sie angesprochen werden? Möchten sie überhaupt angesprochen werden?

Darüber hinaus war es mir wichtig, die neuen Bücher möglichst lesefreundlich zu gestalten. Dafür habe ich mir die App Vellum angeschafft, mit der ich sowohl eBooks als auch Printvorlagen erstelle. Nichts geht über einen professionellen, handgemachten Buchsatz, das ist mir klar. Aber mit dem Ergebnis dieser App bin ich recht zufrieden. Außerdem kann ich beispielsweise notwendige Änderungen oder kleine Korrekturen sofort selbst vornehmen, was sich als sehr praktisch herausgestellt hat.

Meine Tipps sind im Grunde die gleichen wie für das Schreiben: Lesen, lernen, zuhören.

 

Ein großer Teil deines Relaunches war die Neugestaltung der Cover. Worauf hast du geachtet, um ältere Cover wieder modern wirken zu lassen?

Auch hier habe ich mich zunächst einmal über das aktuelle Angebot von Verlagen und SelfpublisherInnen informiert und anschließend versucht, den Geschmack des Publikums zu treffen, ohne dabei irgendwelchen Trends hinterher zu laufen. Das ist schwierig und manchmal liegt man auch furchtbar daneben. Ich empfehle in meiner AutorInnen-Sprechstunde bei den Wortfinderinnen eigentlich immer, sich für alle Bereiche, in denen man sich nicht so recht zu Hause fühlt, lieber Profis zu engagieren: Für Lektorat und Korrektorat versteht sich das von selbst, aber auch die Buchgestaltung ist eine Kunst für sich.

Als Kostümbildnerin habe ich durchaus ein Gefühl für Farben und Design, aber wenn ich mir nicht ganz sicher bin, dann bitte ich doch lieber eine Grafikerin, meine Cover zu machen. Sie sagt übrigens gern: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Da ist was dran, habe ich festgestellt – und es gilt, zumindest wenn man an kommerziellem Erfolg interessiert ist, ebenso fürs Schreiben. Am liebsten ganz in professionelle Hände abgeben würde ich übrigens das Marketing, und manchmal tue ich das auch. Nicht nur als Verlagsautorin.

 

Mehr über Jeanine Krock und ihre Bücher könnt ihr auf ihrer Homepage nachlesen.

Martina Raschke

Martina Raschke, eigentlich Archäologin und Medienwissenschaftlerin, widmet sich seit ihrem Studienabschluss der Herstellung von Büchern. Nach Jahren in der Landesdenkmalpflege und einem IT-Fachverlag ist sie nun Author Relations Managerin bei tolino media.
Martina Raschke

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