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Autor des Monats: Alex Pohl

2019 trat Alex Pohl mit seinem Bestseller „Eisige Tage“ das erste Mal unter seinem Klarnamen in Erscheinung. Davor war er unter seinem Pseudonym L.C. Frey bekannt. Wie er bei der Recherche für seine Bücher vorgeht und vieles mehr verrät er uns im Interview. Mit seinem Krimi „Todeszone – Tatort Malmö“ ist Alex auch bei unserer Lesechallenge #Sommerlesen dabei.

 

Du hast 2012 mit einem apokalyptischen Horrorthriller angefangen und dich inzwischen im Thriller- und Krimigenre etabliert. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Beim Schreiben folge ich seit jeher einer simplen Idee: „Schreibe, was und wie du selbst gern lesen würdest.“ Da ich selbst fast jedes Genre gern lese, musste es wohl zwangsläufig dazu kommen, dass ich mich irgendwann auch mal an Krimis und Thriller heranwagte. Dabei habe ich dann meine Vorliebe für realistischere  oder zumindest denkbare Horrorszenarien entdeckt. Während du im Horrorgenre Vieles auf den Einfluss übersinnlicher Mächte oder Monster schieben kannst, hast du dafür im Thriller und Krimi eben ’nur‘ Menschen. Das finde ich unheimlich faszinierend, sowohl auf Seiten der Opfer und Ermittler, wie auch der Täter. Was geht in jemandem vor, der ein grausames Verbrechen verübt oder davon betroffen ist? Was macht es aus Menschen, die täglich damit konfrontiert werden, verliert man da irgendwann den Glauben an das Gute? Das sind die Themen, die mich heute als Leser und Autor faszinieren, idealerweise verpackt in eine atemlos spannende Handlung.

 

Deine Bücher beruhen zum Teil auf realen Geschehnissen. Wie gehst Du hier bei der Recherche vor? Hast Du Tipps, was man beachten sollte?

Richtig. Im Gegensatz zu vielen True-Crime-Romanen habe ich da allerdings keinen journalistischen Ansatz. Das heißt, bei mir steht immer die spannende Handlung im Vordergrund, und nicht die minutiöse Aufarbeitung von tatsächlichen Geschehnissen. Wo es passt, nehme ich Bezug auf aktuelle oder regionale Verbrechen oder das Zeitgeschehen. In diese Hinsicht hat meine Wahlheimat Leipzig Einiges zu bieten. Da ich in engem Kontakt mit einigen Polizisten und Ermittlern stehe, spiegelt sich deren persönliches Erleben dann gelegentlich auch in der Romanhandlung wider. Wichtig für mich sind auch historische Bezüge, immerhin war Leipzig der Dreh- und Angelpunkt der friedlichen Revolution, dem wohl einschneidendsten historischen Erlebnis, das meine Generation persönlich miterlebt hat. Auch in der DDR-Zeit verbergen sich noch einige ausgesprochen finstere Geheimnisse, wie man auch in einem der kommenden Seiler&Novic-Romane lesen können wird.

Bei der Recherche ist es mir vor Allem wichtig, die betreffende Atmosphäre korrekt einzufangen. Wenn sich beispielsweise ein Ermittler in meinen Romanen gut repräsentiert fühlt und sagt: „Ja, so ähnlich geht es mir in der täglichen Arbeit, und das sind teilweise auch die daraus resultierenden persönlichen Probleme, mit denen ich mich herumschlage“, dann habe ich meines Erachtens einen guten Job gemacht. Gleiches gilt übrigens auch für die kriminellen Elemente, die meine Romane bevölkern. Auch da möchte ich dem Leser den Eindruck geben, sich einigermaßen hineinfühlen zu können und die Taten, wenn auch nicht gut zu heißen, doch zumindest die Beweggründe dafür nachvollziehen zu können. Der irre kichernde Psychopath mit Schaum vorm Mund genügt mir einfach nicht als Täter.

Das zweite, was mir bei der Recherche wichtig ist: Man sollte einfach seine Hausaufgaben machen, dank Internet ist das ja heutzutage kein Problem, aber nichts ersetzt den persönlichen Kontakt oder den Besuch vor Ort. Hier lerne ich stetig hinzu, sehr zur Freude und gelegentlich zur Belustigung der mit mir befreundeten Ermittler, Waffenexperten usw. Damit meine ich, dass man eben wissen sollte, in welchem Bundesland welche Dienstwaffe üblich ist, in etwa eine Vorstellung vom Aufbau des Polizeiapparates und der Bedeutung verschiedener Dienstgrade hat, weiß, dass es Rechtsmedizin heißt und nicht Gerichtsmedizin oder Durchsuchungsbeschluss und nicht -befehl. Ich übertreibe solche Dinge nicht, aber im Laufe der Jahre darf man sich da schon eine gewisse genrespezifische Kompetenz aneignen, finde ich. Viele Leser schätzen das, und haben mir das auch schon geschrieben (oder mich gelegentlich auf kleine Fehler hingewiesen), was mich freut.

 

Du hast auch zwei „interaktive Spieleabenteuer“ veröffentlicht. Was genau können wir uns darunter vorstellen?

Die Idee dafür ist schon ziemlich alt, meines Wissens stammt sie aus den Siebzigerjahren und wurde damals als eine Buchreihe mit dem Titel „Chose Your Own Adventure“ vermarktet, die sich vornehmlich an Kinder richtete. Eine Weiterentwicklung davon waren die Textadventures, wie sie manch einer vielleicht noch aus den 80-er bis 90-ern kennt (Ja, ich bin so alt). Man stelle sich ein Buch vor, das in sehr kurze Kapitel unterteilt ist, in denen jeweils eine Situation dargestellt wird und man am Ende die Wahl hat, sich zwischen mehreren Möglichkeiten zu entscheiden, was als Nächstes passieren soll. Man ist also selbst der Protagonist der Handlung und hat gewisse Freiheiten, zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Wem diese Erklärung zu kompliziert ist, der kann ja unter alex-pohl.de/interaktiv mal reinlesen. Beide Abenteuer sind kostenlos in jedem Browser spielbar und recht selbsterklärend.

 

Du veröffentlichst sowohl im Verlag als auch als Selfpublisher. Wo sind für Dich jeweils die Vor- und Nachteile?

Ich finde, Selfpublishing ist eine tolle Möglichkeit, mit dem Schreiben zu beginnen und dabei viel über den Online-Buchmarkt zu lernen. Man kann (und sollte) in kurzer Zeit möglichst viel veröffentlichen, sich ausprobieren, sein Publikum finden und schauen, in welchem Genre oder Genres man sich am meisten zu Hause fühlt. Man bekommt dann recht schnell ein Gefühl dafür, was funktioniert und was nicht, kommt in Kontakt mit Lesern, die auch mit Meinungen nicht hinter dem Berg halten. Das alles sind fraglos Vorteile. Ebenso lernt man die marktwirtschaftlichen Grundlagen, die man benötigt, um vom Schreiben leben zu können, und verabschiedet sich recht schnell von dämlichen Klischees über das Leben eines Schriftstellers, sollten einen solche plagen. Für einige meiner schreibenden Kolleginnen und Kollegen ist das der Broterwerb, von dem sie immer geträumt haben, und das ist natürlich eine tolle Sache. Andererseits gewinne ich in letzter Zeit leider zunehmend den Eindruck, dass es dabei ein bisschen zu häufig um Verkaufszahlen und Algorithmenoptimierung für Verkaufsplattformen geht, als um das, worum es meines Erachtens eigentlich gehen sollte, nämlich das Schreiben. Natürlich ist auch ein Verlag ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, aber da sitzt man als Autor eben eher mit der Lektorin beisammen als mit den Verkaufsstrategen und das empfinde ich als sehr wohltuend; man kann sich in erster Linie auf den Text konzentrieren.

Als deutlich nachteilig empfinde ich im Selfpublishing auch die häufig auftretende ranking-bedingte Orientierung am Massengeschmack. ‚Schreib, was alle anderen (erfolgreichen Selfpublisher) schreiben, wenn du in den Charts auftauchen willst‘ ist oft die selbst auferlegte Devise, und das finde ich als Leser ein bisschen ermüdend, wenn da ein Trend nach dem anderen als Breitensport durchgehechelt wird, auch wenn ich es unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus nachvollziehen kann. Natürlich findet man auch manch selbstverlegtes Juwel, das es nicht in die oberen Verkaufsränge schafft, aber dazu gehört dann schon viel Geduld beim Suchen. In den Buchläden meines Vertrauens werden mir eben auch mal Bücher empfohlen, die nicht schon Hinz und Kunz sowieso im Regal stehen hat, und das schätze ich schon sehr.

Ebenfalls bin ich persönlich nie so recht glücklich damit gewesen, dass man sich beim Selfpublishing um alles selbst kümmern muss. Dabei fehlt meines Erachtens ganz klar der Blick von außen, und der ist mir eben sehr wichtig. Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als sich gemeinsam über ein Manuskript zu beugen und den Text nochmal auf Herz und Nieren zu prüfen, oder die Vorschläge des Grafikers für das Cover gemeinsam zu begutachten. Diese enge Zusammenarbeit mit einem Team von enthusiastischen Experten, die wirklich was vom Fach verstehen, finde ich in der Arbeit mit Verlagen sehr bereichernd, man hat einfach das Gefühl, dass das jeweilige Buchprojekt mit großer Sorgfalt betreut wird, vom Lektorat bis zu Marketing und Vertrieb. Da fühle ich mich einfach gut aufgehoben und kann mich auf meine beiden Kernkompetenzen konzentrieren: Schreiben und Unmengen von Kaffee trinken.

 

Warum hast Du Dich für tolino media entschieden?

Weil sie die sympathischste Distributionsplattform am Markt sind. Auch hier, siehe letzte Frage, fühle ich mich gut betreut, bekomme jederzeit einen fähigen Mitarbeiter an die Strippe, den ich mit meinen Fragen löchern kann, die Auslieferung meiner im Selfpublishing erschienenen Bücher an alle wichtigen Onlineshops läuft reibungslos, sie machen tolle Marketingaktionen. Oh, und natürlich hat Tolino Media in Leipzig den besten Messestand überhaupt — wo sonst trifft man alle coolen SelfpublisherInnen und AutorInnen auf einen Haufen, mit einem Wegschörlchen in der Hand?

 

Mehr zu Alex Pohl und seinen Büchern findet ihr auf seiner Autoren-Website.

Martina Raschke

Martina Raschke, eigentlich Archäologin und Medienwissenschaftlerin, widmet sich seit ihrem Studienabschluss der Herstellung von Büchern. Nach Jahren in der Landesdenkmalpflege und einem IT-Fachverlag ist sie nun Author Relations Managerin bei tolino media.
Martina Raschke

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