Beitragsbild Schreibmaschine auf Türkis, Jutoh

Write it your way: „Jutoh“

„Write it your way“ ist unsere neue Tech-Reihe mit dem Autorenduo Stiller & Stiller. Als eingefleischte Selfpublisher haben die beiden schon das ein oder andere Schreibprogramm getestet. Heute geht es um das kostenpflichtige Programm „Jutoh“.


Wie das von uns geliebte Writer’s Café, so stammt auch dieser jüngere Spross aus der britischen Softwareschmiede Anthemion. Der Fokus von Jutoh liegt weniger auf der Produktion von gedruckten Büchern als vielmehr auf der Erstellung von eBooks – und auf diesem Gebiet ist es ausgestattet wie kaum ein anderes Autorenprogramm. Grund genug, Jutoh genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ausschnitt von dem Schreibprogramm "Jutoh" Hauptfenster
Jutohs Hauptfenster mit dem WYSIWYG-Texteditor und den Formatvorlagen

Nach der Installation gibt man den persönlichen Registrierungscode ein und schaltet Jutoh auf dem Rechner frei. Eine Internetverbindung braucht man dazu löblicherweise nicht. Aus unserer Sicht ein Vorteil gegenüber anderen Lösungen (Scrivener beispielsweise und einige andere Lösungen lassen sich ohne Verbindung zum Firmenserver nicht autorisieren; man muss also immer auf das Fortbestehen des jeweiligen Herstellers vertrauen).

Arbeitsplatz

Ausschnitt von Anpassung der Arbeitsfläche in Jutoh

Das Hauptfenster präsentiert sich übersichtlich und ist auch für kleinere Monitore geeignet – Notebook-Schreiber werden sich freuen. Leider ist die Anpassung auf 4k-Displays noch nicht besonders flexibel. Hier wünscht man sich, auch Werkzeuge oder Formatvorlagen getrennt in Extra-Fenster auslagern zu können. Zentrales Element der Arbeitsoberfläche ist natürlich der Texteditor. Er bietet echtes What-You-See-Is-What-You-Get und kann locker mit den bekannten Officelösungen mithalten. Eine echte „Blattdarstellung“ gibt es – ganz im Geiste der digitalen Produktion – nicht.

 

Anpassung des Arbeitsplatzes in Jutoh
Die Benutzeroberfläche lässt sich umfassend auf die persönliche Arbeitsweise anpassen

Vieles von dem, was Writer’s Café bietet, findet sich auch in Jutoh (da wir uns an dieser Stelle nicht wiederholen möchten, verweisen wir auf die entsprechende Vorstellung hier im tolino-Blog). So verfügt auch Jutoh über das Scraps-Recherchetool und umfangreiche Back-Up-Funktionen. Was wir vermisst haben, ist eine Timeline, die das Plotten für uns erst richtig komfortabel macht, sowie ein schwarzes Brett für Ideen, Infos und Bilder. Aber Jutoh ist noch jung… und wir wären schlechte Journalisten, würden wir da nicht nachhaken 😉

 

 

Julian Smart, der Chef-Entwickler bei Anthemion, hat uns versichert, dass es in der bald erscheinenden Version 3 von Jutoh eine Menge Neuerungen geben wird. So lässt neben einer erweiterten Validierung für problematische Formatierungen für eBooks und einigen anderen neuen Werkzeugen vor allem ein Drag&Drop-Planungstool aufhorchen – es leben die Handlungsstränge! Erfreulicherweise wird das Update auf Version 3 für Jutoh 2.X-User kostenlos sein.

Formatierung

eBook und augenschmeichelnde Formatierung müssen sich nicht unbedingt ausschließen. Allerdings gibt es viele Fallen, wenn man in den bekannten Editoren für epub und mobi selbst Hand anlegt. Deshalb sind umfangreiche Formatierungsoptionen in der Autorensoftware Gold wert. Jutoh bietet hier so ziemlich alles, was die Platzhirsche Word und LibreOffice bieten (natürlich ohne die Optionen für Papierausdrucke). Schriftformate, Absatzformatierungen, Tabellen, Cliparts und Bilddateien, wie wir es auf unserem künstlerisch wertvollen Screenshot zeigen – alles wird sauber in das entsprechende eBook-Dateiformat eingebettet.

Ansicht Formatierung in Jutoh

In puncto Formatierung muss sich Jutoh hinter gestandenen Officeprogrammen nicht verstecken

Wer das gesamte Buchprojekt in Jutoh abwickeln will, kann sich zur Titelgestaltung des Cover Designers bedienen. Das Modul ist zwar recht einfach gehalten, erfüllt aber seinen Zweck und ist erstaunlich flexibel. Es lassen sich eigene Textfelder mit frei wählbarer Schriftart und -größe anlegen. Das führt zu vielfältigen Möglichkeiten, auch wenn es eine professionelle Cover-Gestaltung nicht ersetzen kann. Doch in Zukunft soll – laut Aussagen des Entwicklers – in Jutoh auch die Titelgestaltung erweitert werden.

Sogar ein einfacher und doch recht flexibler Titelseiteneditor ist in Jutoh integriert

Export

All die schönen Formatierungen sind kaum von Nutzen, wenn die Exportfunktionen sie nicht sauber umsetzen können. Glücklicherweise liegt hier eine der Stärken von Jutoh. Neben der Verwaltung verschiedener eBook-Versionen über Geräteprofile und Speicherorte gibt es eine umfangreich editierbare Schriftartenersetzung und sogar einen eingebauten Code-Editor (für Autoren, die genau wissen, was sie tun… Aber man kann es tun!).

Wer seine eBooks für bestimmte Geräte kompiliert, freut sich über die Verwaltung von Profilen und Speicherorten

Wem die Voreinstellungen der gängigen eBook-Formate nicht ausreichen, kann sich über Vorlagen eigene Konfigurationen erstellen. Auch das ist eine Funktion für versiertere Anwender, die nicht jeder Autor braucht. Doch wer schon einmal fluchend versucht hat, die Darstellung auf möglichst vielen Lesegeräten „schön“ zu bekommen, weiß einen solchen Editor zu schätzen. Die Einstellmöglichkeiten aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, doch mag der Scrollbalken im unten stehenden Screenshot einen Hinweis darauf geben, wie lang die Liste der konfigurierbaren Parameter ist…

Der Export lässt sich in jeder erdenklichen Weise konfigurieren – auch eigene Exportformate lassen sich anlegen

Nicht verschweigen möchten wir, dass es von Jutoh auch noch eine Plus-Version gibt, die sich vor allem an Selbstverleger und kleine Verlage richtet. Jutoh Plus bietet beispielsweise die Serienerstellung personalisierter eBooks, Scriptingfunktionen und die Kompilierung von HTML-Helpfiles. Dabei ist diese „Verlagsversion“ erstaunlich preiswert. Genauere Informationen finden sich in einem PDF auf der Jutoh-Website. Überhaupt werden die Programme von Anthemion gut supported und dokumentiert – heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Fazit

Jutoh ist speziell für Autoren geschaffen worden, die ausschließlich auf digitalem Weg veröffentlichen. Momentan ist uns kein anderes Schreibprogramm bekannt, dass diesen Anspruch so umfassend und professionell verwirklicht. Jutoh bietet beinahe perfektes WYSIWYG und Formatierungsmöglichkeiten wie ein ausgewachsenes Officeprogramm. Dabei ist die grundlegende Bedienung einfach und zumeist selbsterklärend; für die tiefere Editierung steht ein gutes Hilfesystem zur Verfügung. Auch, wenn sich Jutoh in den meisten Belangen mit der Konkurrenz messen kann, so haben wir einige Bereiche, wie eine Timeline, doch vermisst. Zugegeben – die bieten auch Scrivener, yWriter und Co. nicht – aber wir sind von Writer’s Café verwöhnt. Aber, wie schon erwähnt, Jutoh ist noch jung; da ist garantiert noch Einiges in der Pipeline von Anthemion.

Zu erwähnen ist noch, dass Jutoh (im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern) wirklich auf allen wichtigen Plattformen läuft, inklusive aller erdenklichen Linux-Varianten. Sogar für Raspberry Pi ist eine Version verfügbar. Jutoh kostet 40 Euro plus Mehrwertsteuer.

Webseite: www.jutoh.com

What’s next? Hier findet ihr einen Überblick über die kommenden Beiträge und Programme:

Write it your way: Schreibsoftware im Vergleich


Zu den Autoren

Während der Studienzeit in Köln, begannen Dana und Barry die Arbeit an ihrem ersten gemeinsamen Roman INFORMIUM – Tödliches Experiment. Es folgte mit GREEN MAMBA – Schatten des Todes ein DDR-Thriller, der 2018 auf die Shortlist für den Indie Autor Preis der Leipziger Buchmesse kam. Aktuell arbeiten  Stiller & Stiller an der archäologischen Krimireihe Ein Fall für Peter Conrad.

Stiller und Stiller

Dana Stiller studierte Ägyptologie und Frühgeschichte, sowie die Archäologie Mesoamerikas und Keltische Sprachen. Es folgte ein Mathematik- und Anglistikstudium. Barry Stiller ist Journalist und arbeitete nach der Zeit bei einem privaten TV-Sender als Redakteur für Publikumszeitschriften in München. Danach schrieb er für ein Musikermagazin in Köln. Ende der 90er Jahre studierte er Ur- und Frühgeschichte und mesoamerikanische Archäologie.
Stiller und Stiller

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