Autorin des Monats: Cara Lindon

Ihrer Oma, die ihr „Peterchens Mondfahrt“ vorlas, verdankt Cara Lindon die Liebe zu Büchern. Sobald sie lesen gelernt hatte, war sie nie ohne etwas Lesbares anzutreffen. Auf Familienfeiern saß sie meist am Rand und hatte die Nase in etwas Geschriebenes versenkt. Deutsch war – wie zu erwarten – ihr Lieblingsfach in der Schule und sie wollte Germanistik studieren. Ein unerfreulicher Deutsch-Leistungskurs führte zu einer Lebensplanänderung und Cara in die Sozialwissenschaften und nach Göttingen. Nach vielen gescheiterten Versuchen war es 2010 endlich soweit – sie veröffentlichte ihren ersten Roman im Rowohlt Verlag. 2013 schließlich startete Cara Lindon den ersten Versuch mit einem selbstveröffentlichten Roman, weil sie die Vorstellung, die Kontrolle über alle Schritte des Buchveröffentlichens zu erhalten, unglaublich spannend fand. Diese Faszination ist geblieben, so dass Cara den Verlagen den Rücken kehrte und ihre Geschichten nun ausschließlich im Eigenverlag herausbringt.

 

Ihr neuster Roman „Frühlingsleuchten“ spielt in Cornwall, Ihrem Sehnsuchtsort, wie Sie selbst sagen. Wie wichtig ist es für Sie und für Ihr Schreiben, solch einen Ort zu haben?

Sehr wichtig. Cornwall ist für mich der Ort, an dem ich meine Batterien aufladen kann, an dem ich Ideen finde und an den ich denke, wenn ich wieder einmal zweifele, ob Schreiben wirklich das Richtige für mich ist.

Jedes Mal, wenn ich in Cornwall bin, sammele ich Eindrücke, Bilder, Farben … alles, was man braucht, um eine Geschichte zum Leben zu erwecken. Hier kann ich zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen, was den Kopf frei werden lässt.

Außerdem hoffe ich im Geheimen, einmal einen Megaseller zu schreiben, der mir ein Häuschen in Cornwall einbringt. Das ist sehr motivierend. ????

 

Sie schreiben unter verschiedenen Pseudonymen und in den verschiedensten Genres – haben Sie ein „Lieblingskind“, oder versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit gerecht unter allen zu verteilen?

Ich bemühe mich, alle Genres und Bücher, die ich schreibe, zu lieben und ihnen die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, muss aber eingestehen, dass Familiengeheimnisse mir besonders am Herzen liegen. Ich mag es, zwei Zeitebenen zu recherchieren, sie zusammenzuführen und Spuren des Geheimnisses zu legen.

 

Ihren Roman „Im Land des ewigen Frühlings“ haben Sie während einer thematisch passenden Ausstellung erfolgreich in einem Museumsshop platziert. Lohnt es sich als Autor, die Augen nach solchen Möglichkeiten aufzuhalten und wie sollte man dabei vorgehen?

Zu meiner Überraschung war das Interesse der Museumsbuchhandlung an meinem Roman groß. Ich hatte mir für den Erstkontakt viele Argumente überlegt, warum meine Geschichte passte – und brauchte nicht eines davon zu nennen.

Es hat sich schon allein deshalb gelohnt, weil es ein unglaublich tolles Bild war, meinen Roman auf einem Stapel in einem wirklich schön gestalteten Shop zu sehen. (Und er hat sich so gut verkauft, dass ich noch einmal nachliefern musste.)

Seitdem schaue ich immer, ob ich Andockpunkte für meine Bücher finde. Fragen kostet nichts, nur ein bisschen Überwindung. ???? Meiner Erfahrung nach sind die meisten Menschen sehr freundlich, wenn man ihnen freundlich und gut vorbereitet begegnet. Und Andockpunkte sind vielfältig, man muss nur ein bisschen überlegen. Aktuell habe ich Karten zu „Frühlingsleuchten“ in dem Laden ausliegen, wo ich meinen Tee kaufe. Denn nichts passt besser zusammen als Tee und Cornwall.

Als Vorgehen hat sich für mich bewährt, mir im Vorfeld zu überlegen, wie ich mein Gegenüber überzeugen kann, Material zu haben, das ich bei Interesse zusenden oder in die Hand drücken kann, und keine Scheu davor zu haben, nachzuhaken. Viel Erfolg!

 

Ihre Bücher spielen mitunter an weitentfernten, exotischen Orten und zu vergangenen Zeiten. Wie gehen Sie vor, um sich selbst und später Ihre Leser dorthin zu versetzen?

Recherche, Recherche, Recherche – ich liebe es, möglichst viel über Land, Leute und Zeit herauszufinden. Wenn möglich, reise ich an den Ort, an dem die Geschichte spielt, weil sich dadurch andere Eindrücke ergeben als über Reiseführer.

Ich versuche, ein Gefühl für die Zeit und das Land zu bekommen, indem ich unterschiedlichste Medien nutze, die – ganz klassisch – meine Sinne ansprechen. Dazu gehören Musik, Bilder, Fotos, Filme, Zeitschriften, Romane und Archive. Außerdem suche ich nach Ausstellungen in Museen, die mir Hintergrundinformationen vermitteln.

Ich liebe Bibliotheken und kann dort Tage verbringen, um mich von Buch zu Buch und von Information zu Information zu hangeln.

Daneben nutze ich zeit- oder ortstypische Musik und Filme, um „in Stimmung“ für den Ton und das Thema meiner Geschichte zu kommen. Für meinen Mann kann das anstrengend sein. Die Marimba-Musik aus Guatemala war so gar nicht sein Fall.

Wenn möglich, koche oder backe ich landes- oder zeittypische Gerichte, für die Cornwall Seasons habe ich Tea Times an unterschiedlichen Orten verkostet* und Kekse und Kuchen gebacken, die meine Heldin Bree backen würde. (Ein Dank an die Bloggerinnen Tanja von nichtohnebuch und Elisa von RoRezepte für das gemeinsame Backen!)

* Falls jemand Adressen hat, wo ich in Deutschland Scones und Gurkensandwiches bekomme, bitte an mich senden. ????

 

Wissen Sie schon, an welchen Ort es im nächsten Roman gehen soll?

Ich bleibe in Cornwall. Eigentlich wollte ich nur drei Cornwall Seasons schreiben, aber was wären die Jahreszeiten ohne den Sommer? Nachdem ich „Frühlingsleuchten“ abgeschlossen hatte, forderte eine Nebenfigur vehement ein, dass ich ihre Geschichte erzähle. Erst habe ich mich geweigert, weil meine Planungen einen Australien-Roman vorsahen, aber weil die Figur keine Ruhe gab, habe ich den vierten Cornwall-Roman „dazwischengeschoben“. ????

 

Warum haben Sie sich für tolino media entschieden?

Tolino media bietet mir die Chance, mehr Leserinnen und Leser zu erreichen. Außerdem freue ich mich, dass durch tolino media meine selbstverlegten Romane auch in Buchhandlungen vertreten sind.

Und zum Schluss finde ich es sehr wichtig und angenehm, dass mir mit dem Team von tolino media kompetente und engagierte Ansprechpartner zur Seite stehen, mit denen ich gemeinsam Ideen entwickeln und umsetzen kann. Vielen Dank!

 

 

Martina Raschke

Martina Raschke

Martina Raschke, eigentlich Archäologin und Medienwissenschaftlerin, widmet sich seit ihrem Studienabschluss der Herstellung von Büchern. Nach Jahren in der Landesdenkmalpflege und einem IT-Fachverlag ist sie nun Author Relations Managerin bei tolino media.
Martina Raschke

2 thoughts on “Autorin des Monats: Cara Lindon

  1. Ein sehr schönes Interview ist das geworden! Liebe Cara, ich wünsche dir viel Erfolg bei Tolino! 😀 Gerade deine Familiensagas sind wundervolle Geschichten. Das Team hat sich schöne Fragen überlegt, die es möglich machen, deine Bücher schon mal kennen zu lernen.

    lg Nadine von Nannis Welt

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