Autorin des Monats: Astrid Korten

Das geschriebene Wort begleitet Astrid Korten bereits seit ihrer Kindheit; schon mit 13 schrieb sie ihre erste Kriminalgeschichte. Bis sie die literarischen Ergebnisse der Leserschaft präsentieren konnte, sollten aber noch einige Jahre vergehen. Ihr Debütroman „Eiskalte Umarmung“, ein Psychothriller, avancierte sofort zum Bestseller und erreichte die Jahresbestsellerliste von Thalia. Es folgten weitere erfolgreiche Thriller und Romane in mehreren Sprachen sowie Drehbücher. Ihre Bücher veröffentlicht Astrid Korten sowohl über Verlage als auch selbst. Dabei wird sie von dem professionellen tolino-media-Team sowie von Lektoren und einer Marketing- und Werbeagentur unterstützt.

 

Mit Ihrem aktuellen Thriller „Lilith – Eiskalter Engel“ haben Sie zum dritten Mal eine Fortsetzung zu einem Ihrer Bücher geschrieben. Was hat Sie dazu bewegt?

Sagen wir mal so: Es war „der Schrei der Büchereulen“ nach einer Fortsetzung. „Eiskalte Umarmung“ war immerhin ein Platz-1-Bestseller auf vielen Ebook-Plattformen und Jahresbestseller bei Thalia. Auch heute – nach 15 Jahren – schafft der Psychothriller es immer noch, sobald der Roman vom Verlag promotet wird, in die Top 20, das letzte Mal im dritten Quartal 2017.

Leser haben immer hohe Erwartungen an einer Fortsetzung. Ich habe mir für die Fortsetzung einige Jahre Zeit gelassen. Auch musste ich wieder eine Beziehung zu den Figuren des Romans aufbauen. Schließlich entstanden in den vergangenen Jahren viele Thriller aus meiner Feder. Es war die richtige Entscheidung. Das Warten hat sich gelohnt. „Lilith – Eiskalter Engel“ bekommt hervorragende Kritiken und ist mittlerweile zum tolino-Bestseller avanciert.

 

Können wir demnächst vielleicht mit noch mehr Fortsetzungen oder sogar einer Reihe rechnen?

Ja. Dem Leser gefällt die Reihe um den Ermittler Benedikt van Cleef. Ich persönlich mag die Figuren um diesen sympathischen Leiter der Mordkommission München. Im späten Frühjahr wird der vierte Band erscheinen. Darin ermittelt Benedikt van Cleef in eigener Sache. Es wird sehr spannend.

 

„Zeilengötter“ wird demnächst für das Kino verfilmt. Wie fühlt sich das für Sie als Autorin an? Überwiegen Stolz und Freude, oder gibt es auch leise Zweifel, ob die Umsetzung Ihren Vorstellungen entsprechen wird?

Ich habe den Thriller und das Drehbuch Ende 2016 geschrieben, das Drehbuch allerdings in englischer Sprache. Als mich die Nachricht erreichte, konnte ich es kaum fassen, zumal ich schon mehrmals in Los Angeles nominiert wurde. Ich habe in LA einen großartigen Agenten, der dort meine Interessen vertritt. Ob die Umsetzung meinen Vorstellungen entspricht? Ich habe da keine Bedenken. Die Amerikaner beherrschen ihr Metier. Die Hauptrolle wird immerhin mit einem Star besetzt. Die werden das gut machen. Für „Wo ist Jay?“ und „Wintermorde“ habe ich ebenfalls das Drehbuch verkauft.

 

Ihr Romane sind stets fundiert recherchiert, zudem ziehen Sie zur Beratung Experten aus den verschiedensten Fachbereichen heran. Haben Sie Tipps für andere Autoren, was eine gute Recherche ausmacht und was das wichtigste dabei ist?

Meine Devise: Je besser die Hintergrundinformation, umso besser das Buch. Ich glaube, dass jeder Autor da seine eigenen Vorstellungen und Methoden hat. Wichtig ist, dass die fachliche Seite eines Buches fundiert recherchiert wird. Sie darf m.E. niemals der Fantasie eines Autors entspringen. Damit macht man sich unglaubwürdig. Leser sollte man nicht unterschätzen, schließlich recherchieren sie mittlerweile auch. Ich spreche schwerpunktmäßig mit Experten über die fachlichen Themen meiner Bücher. Für „Wintermorde“ habe ich 175 Frauen zum Thema Ehebruch interviewt, für „Wo ist Jay“ mit den Betroffenen gesprochen und Gerichtsakten gelesen. Dabei entsteht auch oft eine neue Buchidee. Das Netz ist für mich nicht immer sehr hilfreich. Beschränkt man seine Recherche auf Stadtpläne und Ortsbeschreibungen, dann darf man durchaus ein wenig kreativ sein.

 

In Ihren Thrillern setzten Sie sich intensiv mit den Abgründen der menschlichen Seele, mit Psychopathen und Mördern auseinander. Haben Sie ein persönliches Ausgleichsprogramm oder etwas ähnliches, um sich im Alltag davon nicht zu stark beeinflussen zu lassen?

Ich spreche mit Täter und Opfer, wenn der Roman auf eine wahre Geschichte beruht, wie es bei „Zeilengötter“ oder „Wo ist Jay?“ der Fall war. Immer dann ist die obenerwähnte Recherche eine schwierige Phase, weil die Schicksale der Opfer mich sehr berühren. Die Interviews mit den Betroffenen nehmen oft viel Zeit in Anspruch. Vertrauen entsteht. Nur durch Vertrauen erfährt man, was für einen Roman wirklich von Bedeutung ist. Mit den Protagonisten aus beiden Romanen bin ich heute freundschaftlich verbunden.

Allerdings habe ich auch üble Täter interviewt. Seitdem weiß ich, dass das Böse ein Alltagsgesicht hat. Wenn man „Glück“ hat, erkennt man es, sobald es für den Bruchteil einer Sekunde in den Augen des Gegenübers aufflackert. Die Figur des Polen Pawel in „Das Böse in dir“ entstand nach einem Interview mit einem Häftling, das mich lange beschäftigt hat.

Mit „Lilith – Eiskalter Engel“ bin ich der Frage nachgegangen, ob das Böse vererbbar ist. Immerhin diskutieren Wissenschaftler immer mal wieder darüber. Schon Babys handeln laut einer Studie moralisch. Bestimmen also die Gene, ob ein Kind als Erwachsener zum Menschenfreund oder zum Monster wird? Die Entdeckung vermeintlich „böser“ Gene birgt sozialen Sprengstoff. Können genetisch bedingte Defekte von Botenstoffe eine verminderte Schuldfähigkeit begründen? Jedenfalls verstärken sie lediglich eine pathologische Veranlagung. Das ist erwiesen. Es sind aber selten Mädchen, die antisoziales Verhalten entwickeln. Deshalb gibt es unter Frauen weniger Triebtäterinnen. Die Information liegt auf dem geschlechtsspezifischen Chromosom. Der Leser soll aber selbst entscheiden, ob der Thriller darauf eine Antwort gibt.

Psychopathen faszinieren mich, aber sie lösen auch Angstgefühle aus. Sie leben außerhalb der Norm und meinen, über dem Gesetz zu stehen. Meine Feder kann genauso furchtbar und gnadenlos böse sein. Aber ich persönlich glaube an das Mysterium des Lebens, ich glaube an die Ge­walt der Liebe, an das schmerzlich Unbe­rechenbare. Sobald ich anfange über meine Recherche zu schreiben, gewinne ich auch Abstand. Als Ausgleich treibe ich Sport, spiele Saxophon und male.

 

Sie veröffentlichen Ihre Bücher sowohl bei Verlagen, als auch selbst. Was sind für Sie persönlich die Vorteile und Anreize beim Self-Publishing?

Am Self-Publishing schätze ich vor allem die Freiheit, den Text zu veröffentlichen, sobald er das Lektorat und Korrektorat verlassen hat. Ich reagiere nicht, sondern agiere, und genieße zudem die absolute kreative Freiheit. Das Ebook bzw. der digitale Markt hat den Buchmarkt verändert. Darauf habe ich mich eingestellt. Ich bin seit 2004 als Autorin tätig und habe einen hohen Anspruch an meine Tätigkeit. Ein professionelles Lektorat/Korrektorat und eine ebenso professionelles Cover sind ein Muss.

Den Verlagen fehlt heute häufig der Mut zu neuen Projekten. Es ist erschreckend, was da an Mainstream auf den Markt geworfen wird. Davon distanziere ich mich. Aber auch Selfpublisher sollten sich noch mehr professionalisieren.

 

Warum haben Sie sich für tolino media entschieden?

Weil tolino sehr professionell agiert und die Autoren hervorragend unterstützt.

Martina Raschke

Martina Raschke

Martina Raschke, eigentlich Archäologin und Medienwissenschaftlerin, widmet sich seit ihrem Studienabschluss der Herstellung von Büchern. Nach Jahren in der Landesdenkmalpflege und einem IT-Fachverlag ist sie nun Author Relations Managerin bei tolino media.
Martina Raschke

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