5 Fragen an Johannes Haupt

Die Online-Plattform lesen.net vergibt ein interessantes neues Qualitätssiegel. Erste Schriftsteller wie Elke Bergsma und Klaus Seibel wurden bereits als „Leserfreundliche Autoren“ ausgezeichnet. Wir sprachen mit lesen.net Betreiber Johannes Haupt über das neue Format für Autoren.

 

1 | Was können sich unsere Autoren unter dem neuen Siegel vorstellen?

Seit 2009 unterstützen wir auf lesen.net unsere buchaffine Leserschaft bei der Entdeckung interessanter Angebote. In den letzten Jahren hat sich das digitale Buchangebot durch den Self-Publishing-Boom und die unbegrenzte Verfügbarkeit von eBooks vervielfacht. Die Auswahl ist riesig, genauso wie die Bandbreite bei der Qualität. Mit dem Siegel „Leserfreundlicher Autor“ wollen wir Lesefreunden Orientierung bei der Suche nach wirklich lohnender Lektüre geben und gleichzeitig Autoren eine Option bieten, ihren Qualitätsanspruch und ihre Leserorientierung sichtbar zu machen.

 

2 | Nach welchen Kriterien wird das Siegel verliehen? 

Auch wenn die großen E-Reading-Plattformen in den letzten Jahren immer komfortabler und damit auch für technisch wenig affine Lesefreunde gut nutzbar geworden sind, ist Interkompatibilität immer noch ein großes Thema. Dass bei einem Online-Händler gekaufte eBooks aufgrund von hartem Kopierschutz nicht mit der E-Reading-Hardware oder -Apps eines anderen Online-Händlers gelesen werden können, ist aus Lesersicht unverständlich und im Endeffekt alles andere als leserfreundlich. Folgerichtig verleihen wir das Qualitätssiegel ausschließlich an Autoren, deren Publikationen entweder kopierschutzfrei verkauft werden oder nicht nur auf einer bestimmten Plattform zu haben sind (in aller Regel trifft beides zu). Hinzu kommen „weiche“ Faktoren wie ein vorhandenes Lektorat und Korrektorat sowie insgesamt ein hoher Qualitätsstandard bei den Endprodukten, sprich den Büchern.

 

3 | Wie bekomme ich als Autor das Siegel? Wie lauten die Konditionen?

Das Siegel ist mit keinerlei Kosten oder Anforderungen verbunden. Ausgezeichnete Autoren können das Siegel gerne über ihre Website und sozialen Kanäle teilen oder es auch für eines ihrer Buch-Cover verwenden. Genauso können sie das Siegel aber natürlich auch ignorieren, es findet dann nur auf lesen.net als Qualitätsindikator Verwendung. Bislang haben wir rund 90 Autorinnen und Autoren mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet (Übersicht), sukzessive nehmen wir neue Autoren auf. Aktuell suchen und prämieren wir die Autoren vorwiegend proaktiv, an der Auszeichnung interessierte Autoren können uns aber auch gerne eine kurze E-Mail schreiben (siegel (at) lesen.net).

 

4 | Wie wollen Sie das Siegel weiterentwickeln?

Angesichts der Größe des Self-Publishing-Markts haben wir bislang nur einen Bruchteil der leserfreundlichen Autoren entsprechend gekennzeichnet. Hier wird es also noch weitere Auszeichnungen geben, wobei auch beim Siegel selbst die Prämisse „Qualität statt Quantität“ gilt. Daneben handelt es sich nicht um reines Indie-Siegel – auch Verlagsautoren und leserfreundlichen Verlagen steht die Auszeichnung offen.

 

5 | Was sind Ihre Ratschläge an Self Publisher?

Umfragen unter verlagsunabhängigen Autoren wie jene von Matthias Matting unterstreichen immer wieder, dass sich Self Publisher in (mindestens) zwei Lager teilen. Zum einen sind da die Hobby-Autoren, die vornehmlich für sich und vielleicht noch für ihren engen Familien- und Freundeskreis schreiben. Und zum anderen sind da die Autoren, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen – und eine entsprechend hohe Messlatte an die Qualität ihrer Arbeit legen (müssen). Ob und was für externe Dienstleister etwa für Coverdesign, Lektorat und Marketing hinzugezogen werden müssen – und mit was für einem Budget – hängt vom Einzelfall ab und soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. In jedem Fall aber muss unter dem Strich eine qualitativ tadellose Publikation stehen, mit der Käufer eine gute Lesezeit haben.

Wer mit Schreiben Geld verdienen will, kommt im Jahr 2017 nicht an einem hohen selbstauferlegten Qualitätsstandard herum. Und ja, auch das Anbieten der eigenen Publikationen ohne harten Kopierschutz steigert die Qualität. Sowohl der Adobe- als auch der Kindle-Kopierschutz sind seit Jahren geknackt und stellen für Buchpiraten keinerlei Hindernis da, wohl aber für ehrliche Leser, denen die Archivierung und Konvertierung ihrer gekauften Dateien erschwert wird. Ein kopierschutzfrei verkauftes eBook ist leichter in der Handhabung und damit letztlich auch von höherer Güte als ein kopiergeschütztes Buch. Tut euren Lesern den Gefallen und verzichtet auf hartes DRM.

 

Über lesen.net. Seit 2009 schafft lesen.net, eine Publikation der 4pub GmbH, Orientierung im digitalen Buchmarkt. Die Seite informiert mehr als 140.000 monatliche Besucher und über 40.000 Newsletter-Abonnenten tagesaktuell über eBook Reader und Aktionsangebote für eBooks, aber etwa auch zum Bezug kostenloser Hörbücher und zum Verkauf gebrauchter Bücher, digitale Inhalte, neuartige Technologien und interessante Angebote. Zusammen mit den Schwesterseiten lernen.net, schreiben.net und om8.de bildet lesen.net ein führendes Content-Netzwerk im Bereich digitales Lesen und Lernen.

Angela Baur

Angela Baur

Angela Baur kennt die Buchbranche seit vielen Jahren. Ob digital oder analog - sie liebt eBooks gleichermaßen wie Bücher. Ihre Erfahrung sammelte sie bei zwei großen Buchhändlern in Deutschland. Als externe Mitarbeiterin unterstützt sie das tolino media Team im Online-Marketing und bei der Betreuung des Blogs sowie der Webseite.
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One thought on “5 Fragen an Johannes Haupt

  1. Ich würde mich gerne für die Auszeichnung mit besagten Qualitätssiegel bewerben. Faktisch ist dies aber nicht möglich, da die Mailadresse nicht korrekt widergegeben wird.
    Freundlicher Gruß
    Marianne Brugger

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